Klink für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
 Universitätsmedizin Leipzig

Implantologie

Leipziger Implantologietradition

In Leipzig wird seit 1975 zahnärztliche Implantologie nach dem heute noch angewandten Verfahren des Einsetzens künstlicher Zahnwurzeln in den Kieferknochen betrieben. Dr. Horst Hampel (+) implantierte in unserer Klinik 1975 das erste Titan-Blattimplantat der DDR. 1985 führten Dr. habil Wolfram Knöfler und Prof. Dr. Hans-Ludwig Graf das heute weltweit genutzte Prinzip der "Anodischen Oxidation unter Funkenentladung", auf dem die Implantatoberflächen ELCER® der Fa. MLW Medizintechnik Suhl, TICER® der Fa. ZL-Microdent Breckerfeld und TiUnite® der Fa. Nobel Biocare Göteborg beruhen, in die zahnärztliche Implantattherapie ein. Diese Implantatoberflächen bewirken einen beschleunigten Knochenkontakt der künstlichen Zahnwurzel.

Typische Behandlungsfälle
Wie werden zahnärztliche Implantate im Knochen verankert?
Wie heilt ein Implantat in den Knochen ein?
Wie wird ein Implantat mit Zahnersatz versorgt?
Wie pflegt man ein Implantat?
Wie lange hält ein Implantat?
Was tun, wenn Ihnen Ihr Zahnarzt von einer Implantation abrät?

Typische Behandlungsfälle

Eine Behandlung mit zahnärztlichen Implantaten ist immer dann sinnvoll, wenn die prothetische Versorgung ohne Implantat schlecht möglich oder unmöglich ist.

Moderne Operationstechniken und Techniken der Anfertigung von Kronen, Brücken und Prothesen, ermöglichen es heute sehr vielen (fast allen) Patienten mit Implantaten zu helfen.


implantologie_1 implantologie_2 implantologie_3 implantologie_4 implantologie_5 Ein Zahn ist verloren gegangen und man möchte die Nachbarzähne nicht beschleifen.
(fecit: Prof. Dr. Graf; Dr. Hirsch)
implantologie_6 implantologie_7 implantologie_8 Eine Zahnlücke ist sehr groß oder "hinten" ist kein Pfeilerzahn für eine Brücke mehr vorhanden.
(fecit: Prof. Dr. Graf)
implantologie_9 implantologie_10 In einem Kiefer sind fast keine Zähne mehr vorhanden.
(fecit: Prof. Dr. Graf; Prof. Dr. Reiber)
implantologie_11 implantologie_12 implantologie_13 In einem Kiefer sind gar keine Zähne mehr vorhanden.
(fecit: Prof. Dr. Graf)

Wie werden zahnärztliche Implantate im Knochen verankert?

Das zahnärztliche Implantat ist eine künstliche Zahnwurzel. Sie wird in einer Operation entweder unter örtlicher Betäubung oder unter Vollnarkose in den Knochen eingepflanzt. Vollnarkosen aus Gründen einer Implantation sind im Allgemeinen erst sinnvoll, wenn mehr als vier Implantate eingepflanzt werden. Nach dem Freilegen des Knochens wird vom Zahnarzt in zwei vorsichtigen Schritten ein ca. 3-5 mm dickes und 10 - 20 mm tiefes Loch in den Knochen gebohrt. Das Loch ("Implantatbett") erhält meist noch ein Gewinde. Dieses wird, wie es aus der technischen Mechanik bekannt ist, mit einem speziellen Gewindeschneider maschinell oder per Hand geschnitten. An der Knochenoberfläche ist das Implantatbett bei vielen Implantatsystemen noch anzusenken, um die Verbindungsstelle für den späteren künstlichen Zahnstumpf aufzunehmen.

Es ist die durch lange Ausbildung erworbene Kunst des Zahnarztes, dieses Loch genau an die richtige Stelle (ORT), genau in der richtigen Richtung (ACHSE) und genau in der richtigen Tiefe zu bohren.

Dabei kommt es auf Bruchteile eines Millimeters an. Minimale Abweichungen der Implantate von der Idealposition können ästhetisch problematische Folgen haben. Auch erfahrene Operateure benutzen deshalb meist Operationsschablonen und Meßschieber. Der Eingriff wird von den meisten Patienten als sehr viel weniger unangenehm als das Ziehen eines Zahnes empfunden. Er dauert für ein Implantat zwischen 15 und 30 Minuten.

Der implantierende Zahnarzt muß genauso gut operieren können, wie er auch viel von der Kunst Zahnersatz anzufertigen, verstehen muß.

Im Allgemeinen wird die Schleimhaut nach dem Einpflanzen der künstlichen Zahnwurzel („Implantat“) wieder zugenäht. Vom Implantat ist dann für die Dauer der Einheilung nichts zu sehen. Diese Einheilungsdauer bemißt sich nach der Beschaffenheit, insbesondere der Härte des Knochens in die das Implantat eingesetzt wurde. Im Oberkiefer wartet man im Allgemeinen 6 Monate, im Unterkiefer nur drei Monate. Unter bestimmten Bedingungen kann die Einheilungszeit für das Implantat kürzer sein. Meist ist damit aber ein höheres Risiko verbunden.

Schnell ist nicht automatisch gut. Langsam ist nicht automatisch schlecht.

Wie heilt ein Implantat in den Knochen ein?

Während der Wartezeit heilt die durch das Bohren im Knochen entstandene Knochenwunde. Knochenbildende Zellen ("Osteoblasten") füllen den kleinen Spaltraum zwischen Implantat und Wand des Bohrloches auf und das Implantat wird vom umgebenden Knochen bis in die Poren seiner Oberfläche umschlossen. Nach 90 Tagen hat das Implantat bereits mit ungefähr 70 - 90 % seiner Oberfläche festen knöchernen Kontakt zum umgebenden Knochen. Diesen Vorgang nennt man "Osseointegration" (Branemark) oder auch "ankylotische Einheilung" (Donath). Je nach Gestalt und Material der Implantatoberfläche läuft er mehr oder weniger schnell ab. Anerkannte Implantatoberflächen sind heute Hydroxylapatit, Cell PlusÒ, OsseotiteÒ, SLAÒ, TICERÒ, TiUniteÒ, maschinenbearbeitetes Titan und die Titan-flame-spray-Oberfläche.

Wie wird ein Implantat mit Zahnersatz versorgt?

Nach Ablauf der Einheilungswartezeit, in der das ehemalige Operationsgebiet nicht durch Prothesen belastet werden darf, legt der Zahnarzt das Implantat in einem zweiten (kleineren) Eingriff frei. Dazu schneidet er in örtlicher Betäubung die Schleimhaut über dem Implantat auf und schraubt einen kleinen Titanpfosten ("Sulkusformer") auf das Implantat. Dieser ragt dann durch die Schleimhaut, so daß man nun zum ersten Mal etwas vom Implantat sieht. Die Schleimhaut legt sich innerhalb der nächsten Woche an den Sulkusformer an und heilt aus. Nach etwa 1 Woche wird der Sulkusformer gegen einen Titanaufbau ("Abutment") ausgetauscht, der die Krone oder Brücke aufnimmt, bzw. die Prothese befestigt (Sammelbegriff für alle prothetischen Arbeiten auf Implantaten: "Suprakonstruktion").

Mit speziellen, extra auf Implantate abgestimmten Hilfsmitteln wird der Zahnarzt nun eine Abformung (auch „Abdruck“) von Implantat und Kiefer herstellen. Der Zahntechniker fertigt mit Hilfe dieser Abformungen Modelle an und stellt die Suprakonstruktion her, die der Zahnarzt beim nächsten Termin auf die Implantate aufschraubt oder aufzementiert. Beide Methoden haben vor und Nachteile. Eine aufzementierte Konstruktion ist häufig besser zu reinigen aber nur sehr schwer vom Implantat abzunehmen, da sie faktisch verklebt ist. Hingegen ist eine verschraubte Suprakonstruktion leicht wieder abzunehmen aber häufig teurer und nicht so leicht zu reinigen. Trotzdem kann die Entscheidung für eine verschraubte Konstruktion weitsichtiger sein, weil diese im Falle einer Entzündung am Implantathals („Periimplantitis“) gut abgenommen werden kann, und so die Behandlung der Komplikation erleichtert. Außerdem ist sie leichter an veränderte Gebißverhältnisse anzupassen. Das ist wichtig, wenn später weitere Zähne verloren gehen.

Wie pflegt man ein Implantat?

Operieren, Einheilen, Eröffnen und Anfertigen der Suprakonstruktion auf einem Implantat sind nur der erste Teil einer erfolgreichen Implantattherapie.

Mindestens genauso wichtig wie die Kunst des Zahnarztes, ist der Wille des Patienten, seinen Empfehlungen ein Implantatleben lang exakt zu folgen.

Es ist von höchster Wichtigkeit, daß der Patient sein Implantat stets absolut exakt putzt. Bereits relativ geringe Ansammlungen von Plaque können schwerwiegende Auswirkungen auf den Zustand des Implantatbettes haben. Das umgebende Gewebe eines Implantates kann sich dann genau so entzünden ("Periimplantitis"), wie das Zahnfleisch ("Parodontose"). Halbjährliche Kontrolle des Implantatzustandes durch den Zahnarzt sind deshalb grundsätzlich notwendig.

Wie lange hält ein Implantat?

Wenn Implantate und die auf ihnen befestigten Konstruktionen nach unserem heutigen Wissensstand und nach bestem Wissen und Gewissen geplant, eingesetzt und mit Zahnersatz versorgt wurden, so ist es möglich, daß Sie 15 Jahre lang daran Freude haben. Immerhin erreichen heute rund 80 % aller Patienten Tragedauern ihrer Implantate von 15 Jahren und länger. Das heißt aber auch, daß sie im Einzelfalle einmal weniger lange halten. Dann ist im Allgemeinen eine erneute Implantation am gleichen Ort (u.U. mit höherem Aufwand) möglich.

Was tun, wenn Ihnen Ihr Zahnarzt von einer Implantation abrät?

Wenn Ihnen Ihr Zahnarzt unter Beachtung aller bei Ihnen vorliegenden Besonderheiten von einem Implantat ausnahmsweise abrät, seien Sie nicht traurig.

Kein kenntnisreicher Zahnarzt verwehrt einem Patienten eine so komfortable Therapie wie ein Implantat ohne zwingenden Grund.

Es gibt aber eine Reihe von Allgemeinerkrankungen oder Erkrankungen der Kiefer, bei denen nach unseren heutigen Erkenntnissen ein nicht vertretbares Risiko für den Patienten bestünde, wenn man eine zahnärztliche Therapie mit Implantaten durchführte. Fragen Sie Ihren Zahnarzt in fünf Jahren wieder, vielleicht kann Ihnen dann schon mit Implantaten geholfen werden.

 
Letzte Änderung: 17.04.2015, 09:32 Uhr
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