Klink für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
 Universitätsmedizin Leipzig

Kiefer- und Gesichtstumore

Das Behandlungsspektrum unserer Klinik umfasst die Behandlung aller gutartigen und bösartigen Tumoren des Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereiches einschließlich der rekonstruktiven Maßnahmen. Die Rekonstruktion nimmt dabei aufgrund der exponierten Lage der Tumoren einen großen Raum ein.
Im Folgenden möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick über das Behandlungskonzept einiger Tumoren an unserer Klinik geben.

Tumoren der Mundhöhle und der Speicheldrüsen
Tumoren der Haut
Tumoren der Augenhöhle und der Schädelbasis
Sprechstunden

Tumoren der Mundhöhle und der Speicheldrüsen

Der häufigste bösartige Tumor des Kiefer-/Gesichtsbereiches ist das Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle, das mit weltweit 7,9 % bei Männern und 3,9 % bei Frauen an vierter bzw. achter Stelle der Tumormanifestationen steht. 2002 waren Karzinome der Mundhöhle und des Rachens die 6. häufigste Krebstodesursache in der männlichen Bevölkerung Deutschlands. In den letzten 30 Jahren konnte eine kontinuierliche Zunahme der Erkrankungshäufigkeit und eine Verschiebung des Altersgipfels von der 7. in die 6. Lebensdekade beobachtet werden. Außerdem sind immer häufiger auch sehr junge Menschen von einem Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle betroffen. Männer erkranken etwa 3-mal häufiger als Frauen.

Bekannt sind die in vielen Studien nachgewiesenen Zusammenhänge zwischen dem Auftreten von Mundhöhlenkarzinomen und starkem Rauchen oder ausgeprägtem Alkoholgenuss. Darüber hinaus scheint vor allem ein sich gegenseitig verstärkender Effekt bei gleichzeitigem Tabak- und Alkoholkonsum zu bestehen, so dass bei diesen Patienten die Erkrankungshäufigkeit um mehr als das 10-fache erhöht ist, und sich die Tumoren deutlich früher manifestieren. Auch eine chronische Entzündung der Mundschleimhaut, wie sie z. B. in Folge einer nicht ausreichenden Mundhygiene oder wiederkehrender Schleimhautverletzungen durch scharfe Zahn- und Füllungskanten auftreten kann, ist eine mögliche Ursache für die Entstehung eines solchen bösartigen Tumors. Vor allem bei jüngeren Patienten mit Plattenepithelkarzinomen der Mund-schleimhaut lässt sich allerdings häufig auch keiner der genannten Risikofaktoren nachweisen. Neben den Plattenepithelkarzinomen treten auch Tumoren der Speicheldrüsen, des Bindegewebes (z. B. Sarkome) und anderer Strukturen in der Mundhöhle auf. Diese sind jedoch deutlich seltener.

tumor_1 Grundsätzlich hat jedes Geschwür der Mundhöhle, das nicht innerhalb von 14 Tagen mit einer lokalen Behandlung zur Abheilung zu bringen ist, als verdächtig zu gelten und sollte somit einer fachärztlichen Untersuchung zugeführt werden. Zur Frühdiagnostik von bösartigen Mundschleimhautveränderungen wurde in unserer Klinik ein Untersuchungsverfahren entwickelt, bei dem man mittels Bürstenabstrich der verdächtigen Läsion erste Hinweise auf das Vorliegen eines Tumors erhalten kann.

Besteht der dringende Verdacht auf ein Mundschleimhautkarzinom, ist eine fortführende Diagnostik erforderlich, die eine Magnetresonanztomographie oder Computertomographie der Kopf-/Halsregion, eine Ultraschalluntersuchung der Halslymphknoten und Bauchorgane sowie eine Röntgenthoraxaufnahme beinhaltet. Außerdem erfolgt die Entnahme einer Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung. Die Behandlung von bösartigen Erkrankungen der Mundhöhle und der Speicheldrüsen richtet sich nach den Leitlinien des AWMF, der DÖSAK (Deutsch Österreichisch Schweizerischer Arbeitskreis für Tumoren des Kiefer- und Gesichtsbereiches) sowie der DGMKG (Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie) und ist abhängig von der Art des Tumors, der Lokalisation, der Tumorgröße, dem Befall der Lymphknoten und anderen Organe (Metastasen) und dem Allgemeinzustand des Patienten.

tumor_2 tumor_3 Therapie der ersten Wahl beim Mundhöhlenkarzinom ist die operative Behandlung. Erst an zweiter Stelle steht die Strahlentherapie. Häufig ist jedoch ein multimodales Therapiekonzept erforderlich. Die operative Behandlung von Tumoren des Kiefer-/Gesichtsbereiches beinhaltet hohe Anforderungen, da auf Grund der exponierten Lage die Erhaltung von Funktion und Ästhetik mehr als in anderen Körperregionen von Bedeutung ist. In unserer Klinik besitzt daher die funktionelle und ästhetische Rehabilitation der Patienten neben der sicheren operativen Entfernung des Tumors einen hohen Stellenwert.
Patientin nach Unterkieferteilentfernung vor und nach Unterkieferrekonstruktion mittels mikrovaskulärem Beckenkammtransplantat
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Vor allem durch den Einsatz der rekonstruktiven Mikrochirurgie ist es uns heute möglich, auch große Tumordefekte gut zu versorgen. Unser kiefer-chirurgisches Repertoire umfasst dabei neben verschiedenen Verfahren des mikrochirurgischen Gewebeersatzes und der lokalen plastischen Rekonstruktion auch die dentale Implantologie, um eine kaufunktionelle Rehabilitation zu erreichen.

Im Rahmen der kieferchirurgischen Tumortherapie konnten wir in den letzten Jahren an unserer Klinik die Entfernung des so genannten Wächterlymphknotens (Sentinel Lymphknoten) als neues diagnostisches Verfahren etablieren. Dabei erfolgt die selektive Entfernung der lokalen Lymphknoten, die die Lymphflüssigkeit aus dem Tumorareal filtern. Mit Hilfe dieses in anderen Fachgebieten (Gynäkologie, Dermatologie) bereits routinemäßig eingesetzten Verfahrens sind wir in der Lage frühe Tumorabsiedlungen in den regionalen Lymphknoten zu erkennen. Dadurch ist es bei bestimmten Tumorentitäten möglich geworden, auf eine vollständige prophylaktische Ausräumung der Halslymphknoten zu verzichten.
tumor_5 Implantatfixierte Unterkieferprothese

Bei der Betreuung unserer Patienten legen wir großen Wert auf ein ganzheitliches Behandlungskonzept, dass unter anderem auch eine logopädische und ernährungsmedizinische Mitbetreuung beinhaltet. Eine enge Zusammenarbeit besteht außerdem mit dem Bereich für Chirurgische Prothetik und Epithetik der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde bei der individuellen zahnärztlichen Versorgung.

Tumoren der Haut

Einen weiteren Schwerpunkt des Behandlungsspektrums unserer Klinik bilden die Tumoren der äußeren Gesichtshaut einschließlich der Lippe. Die Ursache gutartiger Neubildungen der Haut ist meist unklar; bei bösartigen Tumoren spielen UV-Strahlen die Hauptrolle.

tumor_6 Basaliom Nasenflügel links
Das Basaliom stellt den häufigsten bösartigen Tumor der Gesichtshaut dar und betrifft pro Jahr ca. 50 von 100 000 Menschen.
Mit zunehmendem Alter steigt die Erkrankungshäufigkeit. Bei ungünstigem Verlauf können diese Tumoren mit einer erheblichen Gewebezerstörung einhergehen, was im Gesichtsbereich nicht selten zu funktionellen Verlusten und einer starken ästhetischen Beeinträchtigung führt. Neben den Basaliomen spielen auch anderer Tumorentitäten (z. B. Plattenepithel-karzinome, Melanome) eine Rolle. Auch hier ist vor Einleitung einer individuellen, spezifischen Therapie zunächst eine entsprechende Diagnostik ggf. unter Mitarbeit von Dermatologen oder Augenärzten (z. B. bei Befall der Augenlider) erforderlich. Die Therapie der Wahl stellt auch bei Hauttumoren die operative Entfernung der Neubildung dar. Die Defekte lassen sich in der Regel mit lokalen Lappenplastiken versorgen.
tumor_7 Defektdeckung mittels Stirnlappen

Auch hier ist es unser besonderes Anliegen, eine optimale Wiederherstellung der Ästhetik zu erreichen. In seltenen Fällen ist bei sehr ausgedehnten Defekten eine Rekonstruktion mit Hilfe eines mikrochirurgisch gefäßanastomosierten Hauttransplantates nötig. In besonderen Situationen (z. B. tumorbedingter Verlust des Auges oder der Nase) kommen auch epithetische Rekonstruktionsverfahren zum Einsatz.

Tumoren der Augenhöhle und der Schädelbasis

Bei diesen Tumoren erfolgt ein interdisziplinäres Vorgehen gemeinsam mit den Kollegen der Augenklinik, Neurochirurgie und Hals-Nasen-Ohren-Klinik.

tumor_8 Schwerpunkt der kieferchirurgischen Tätigkeit im Rahmen des Zentrums für Schädelbasischirurgie und des Tumorzentrums an der Universität Leipzig bildet auch hier die Rekonstruktion von tumorbedingten Gewebedefekten mit Lappenplastiken, mikrochirurgischen Transplantaten und ggf. die Insertion von Implantaten, um eine spätere magnetfixierte epithetische Versorgung zu ermöglichen.

Sprechstunden

Tumorsprechstunde
Dienstag
08.00 - 16.00 Uhr
0341/ 97-21164

Strahlentherapie Sprechstunde
Dienstag
14.00 - 15.00 Uhr
0341/ 97-21164

Sprechstunde plastisch-rekonstruktive Chirurgie
Freitag
11.00 - 16.00 Uhr
0341/ 97-21164
OA PD Dr. Dr. Th. Hierl

Schleimhautsprechstunde
Dienstag
13.00 - 18.00 Uhr
0341/ 97-21105
OA PD Dr. T. Remmerbach

Sprechstunde Chirurgische Prothetik und Epithetik
der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde
nach tel. Vereinbarung
0341/ 97-21306

Sozialarbeiterin
 
0341 - 97-21118
Frau Müller
 
Letzte Änderung: 26.07.2011, 12:52 Uhr
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