Klink für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
 Universitätsmedizin Leipzig

Ursachen und Prophylaxe von Spalterkrankungen

Eine wesentliche Frage aller Eltern richtet sich nach der Ursache dieser Fehlbildung und warum gerade ihr Kind betroffen ist. Die Antwort darauf ist nicht einfach und für das einzelne Kind meist nicht genau festzulegen.

lippenspalten04 Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten entstehen zu einem sehr frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft. Die Entwicklung des Gesichtes stellt einen vielschichtigen, komplizierten Vorgang dar. In der 5. bis 8. Woche nach der Empfängnis erfolgt die Bildung der Lippen und des vorderen Kieferabschnittes. Die Entwicklung des harten und weichen Gaumens findet in der 7. bis 9. Schwangerschaftswoche statt.

Man geht heute davon aus, dass ein Zusammentreffen äußerer und innerer Faktoren für die Entstehung von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten von Bedeutung ist und spricht von einer so genannten multifaktoriellen Genese. Dabei versteht man unter äußeren Faktoren Einflüsse, die während der Schwangerschaft eine ungestörte Entwicklung des Kindes behindern.

lippenspalten05 So können zum Beispiel eine mangelhafte Versorgung mit Sauerstoff, Erkrankungen der Mutter während des zweiten und dritten Schwangerschaftsmonates sowie der Einfluss von Medikamenten und schädlichen Substanzen wie Alkohol, Nikotin und Drogen die Entstehung einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte bewirken. Auch eine Mangel- oder Fehlernährung, (insbesondere Vitaminentzug oder -Überdosierung) sowie die Einwirkung von ionisierender Strahlung (z. B. Röntgenstrahlen) sind mit dem erhöhten Risiko einer Spaltentwicklung verbunden.

Schließlich gibt es auch Untersuchungen, die einen Einfluss von Stress und psychischen Belastungen während der ersten drei Schwangerschaftsmonate auf die ungestörte Entwicklung des Kindes belegen.

Nachgewiesen ist weiterhin, dass auch verschiedene so genannte innere Faktoren eine Bedeutung für die Entstehung von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten besitzen. So weisen Kinder mit dieser Fehlbildung häufig einen Mangel an wichtigen Zellbotenstoffen auf, die für eine regelrechte Gesichtsentwicklung erforderlich sind. Daneben besteht eine erbliche Komponente von ca. 15 - 30%, was darin zum Ausdruck kommt, dass in einigen Familien Spalterkrankungen gehäuft auftreten.

Durch eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise mit Verzicht auf Alkohol, Nikotin, Drogen und unnötige Medikamente während der Schwangerschaft, Vermeidung einer erhöhten Infektionsgefährdung und regelmäßige Schwangerschaftsvorsorge lässt sich prophylaktisch das Risiko einer Spalterkrankung verkleinern. Besteht nach der Geburt eines Kindes mit einer Fehlbildung wie der Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte weiterer Kinderwunsch, ist eine genetische Beratung der Eltern sinnvoll, die wir gern vermitteln.

Außerdem wird eine prophylaktische Gabe von Vitamin-B-Komplex und Folsäure bereits vor der Empfängnis bis zum 3. Schwangerschaftsmonat empfohlen.


 
Letzte Änderung: 21.07.2011, 14:44 Uhr
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