Klink für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
 Universitätsmedizin Leipzig

Traumatologie

Das Spektrum der Verletzungen im Mund-, Kiefer- Gesichtsbereich umfasst das gesamte gebiet der isolierten Zahnfrakturen, Brüche des Unterkiefers, des Mittelgesichts und der Stirn bis zu komplizierten Trümmerfrakturen des Gesichtsschädels.
Häufig sind die Frakturen kombiniert mit Verletzungen der Weichgewebe, die von kleinen Platzwunden bis zu Gewebedefekten reichen. Sensible Strukturen, wie Nerven, Orbita (Augenhöhle) oder Bulbus (Augapfel) können betroffen sein und bedürfen zum Teil einer interdisziplinären Versorgung. Das Ziel der Behandlung besteht immer in der primären Wiederherstellung von Form und Funktion. Bei ausgedehnten, komplizierten Verletzungen lassen sich Korrektureingriffe nicht immer vermeiden.

Frakturen
Weichteilverletzungen
Verletzungen von Nerven

Frakturen

Zahnfrakturen des oberen und mittleren Kronenbereiches treten häufig infolge von Sport- und Freizeitunfällen insbesondere im Kindes- und Jugendalter auf.
Hierbei ist die frühzeitige Versorgung notwendig. Luxierte Zähne sind bis zur Reimplantation (= erneutes Einsetzen des Zahnes in das Zahnfach) feucht aufzubewahren (z.B. Zahnrettungsbox, Milch, feuchtes Tuch).
Die notfallmäßige Versorgung des Zahntraumas kann entweder durch den Zahnarzt oder den Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen erfolgen und beinhaltet je nach Schwere des Traumas den Versuch den Zahn an sich, seine Vitalität (= Versorgung) bzw. seine äußere Form zu erhalten oder wiederherzustellen.
Gelockerte Zähne werden dabei zur Ruhigstellung auf verschiedene Arten geschient.

zahn_1 Plus Symbol Abb.1: Frontzahntrauma mit komplizierter Kronenfraktur der Zähne 21 und 22, sowie temporärer Schienung der Zähne 12,11 mit Kunststoff zahn_2 Plus Symbol Abb.2: Zustand nach Schienung und Kronenaufbau

Frakturen des Kiefer-, Gesichtsbereiches können konservativ (= Ruhigstellung des Bruches über Schienung) oder operativ versorgt werden.
Zur operativen Wiederherstellung stehen eine Vielzahl von Osteosynthesen (z. B. Schrauben, Platten, Draht) verschiedener Materialien (z.B.Titan, resorbierbares Material, Stahl) zur Verfügung. Größtes Augenmerk gilt der Wiederherstellung der anatomischen Struktur und der Funktion. Die operative Versorgung im Gesichtsbereich findet immer über möglichst wenig sichtbare Zugänge z.B. durch Schnittführung im Mund zur Vermeidung sichtbarer Narben statt. Lässt sich der Zugang zum Operationsgebiet über das Gesicht oder den Hals (= extraorale Schnittführung) nicht vermeiden, erfolgt dies immer mit dem Ziel einer unauffälligen Narbenbildung.

fraktur_prae_1 Patienten, die im Rahmen eines Polytraumas Verletzungen des Gesichtsschädels erlitten haben, können aus verschiedenen Gründen nicht immer in einer einzigen Operation endgültig versorgt werden (z.B. schlechter Allgemeinzustand im Rahmen der Notversorgung). Hier lassen sich Zweiteingriffe in der Regel nach Abschluss der Rehabilitationsmaßnahmen nicht immer vermeiden. In diesen seltenen Fällen müssen entweder die Okklusion durch ein kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirugisches Vorgehen (siehe Dysgnathie) oder Asymmetrien im Gesichtsschädelbereich korrigiert werden.

fraktur_prae_2
fraktur_prae_3 3-D-Rekonstruktion einer komplexen Unterkiefer-Trümmerfraktur präoperativ
fraktur_post_2 fraktur_post_3 3-D-Rekontruktion nach operativer Versorgung der Trümmerfraktur

Ist die Fraktur dann verheilt, hat das zur Fixation verwandte Osteosynthesematerial seine Funktion erfüllt. Ob es in einem erneuten operativen Eingriff wieder entfernt werden muss, wird in Abhängigkeit des Materials, des Zugangs und des Alters des Patienten entschieden.
In der Regel empfehlen wir unseren Patienten eine Metallentfernung nach 6 - 12 Monaten.

Weichteilverletzungen

Kleine Wunden werden in der Regel sofort durch eine primäre Naht versorgt.
Schnitt- und Bissverletzungen führen teilweise zu erheblichen Defekten der Weichgewebe, die einen Gewebetransfer von der lokalen Lappenplastik bis zu mikrovaskulär gestielten Lappen erfordern (siehe auch Tumortherapie). Diese größeren Operationen finden dann teileweise auch zeitversetzt statt.

Unbefriedigende Narben können mit den Verfahren der Dermabrasion (Hautschleifen) und des Lasers therapiert werden.

Bestimmte Verletzungsmuster können dazu führen, dass Fremdkörper (z.B. Glas, Holz, Metall) in den Mund- Kiefer- und Gesichtsbereich gelangen, deren Entfernung auf Grund ihrer Lokalisation zum Teil eine umfangreiche präoperative Diagnostik erfordern.

fremdkoerper_1 Plus Symbol Fremdkörper links in infraorbitaler Wunde; fremdkoerper_2 Plus Symbol nach Entfernung

Verletzungen von Nerven

Hauptsächlich zwei Hirnnerven sind bei Verletzungen des Gesichtes gefährdet:

  • N. facialis (Bewegungsnerv des Gesichtes)
  • N. trigeminus (Gefühlsnerv des Gesichtes)

Liegt eine Läsion nervaler Strukturen vor, ist die schnellstmögliche mikrochirugische Rekonstruktion, ggf. mit Nervtransplantaten gefordert. Die Versorgung zu einem späten Zeitpunkt erzielt deutlich schlechtere Ergebnisse. Sollte die Rekonstruktion des N. facialis nicht möglich sein, ist zu einem späteren Zeitpunkt die neuro-muskuläre Rekonstruktion in Kombination mit Physiotherapie möglich. Dieses sollte jedoch Ausnahmeindikationen vorbehalten sein.

 
Letzte Änderung: 17.04.2015, 09:19 Uhr
Zurück zum Seitenanfang springen
Zurück zum Seitenanfang springen
Klink für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie